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Bericht vom Arbeitskreistreffen Psychologie vom
09. - 10.05.2007, Klosterneuburg / Wien Der
Arbeitskreis Psychologie traf sich am 09.05. bis zum 10.05. 2007 im
Rehabilitationszentrum Weisser Hof der AUVA. Ein Thema war " Was geschieht
mit unseren Daten, Berichten, Diagnosen? - Umgang mit der
Dokumentationspflicht, Dokumentation und Datenschutz". Hanno Kock hielt zu
diesem Thema den Impulsvortrag. Es wurde zum einen das
in HH noch bis Ende 2007 verwendete EDV-System zur Dokumentation und
Terminierung vorgestellt und die Vor- und Nachteile des Systems
angesprochen. Da ein neue Software in der Vorbereitung ist, wurde hier
abschließend die Erwartung geäußert, dass das neue System gut oder besser
sein sollte, um den Aufwand in Grenzen zu halten, der durch die
EDV-gestützte Dokumentation entsteht. Anschließend wurde ein Fall von
Datenmißbrauch dargestellt, der die Problematik der unbeschränkten
Einsichtnahme skizzierte. In diesem Fall hatte eine Krankenschwester
vertrauliche Informationen aus einem psychologischen Bericht erst an eine
andere Krankenschwester und dann an den Patienten weitergegeben. Solches
Fehlverhalten muss verhindert werden, das war allen klar. Der Vorfall
führte in HH zur Androhung der fristlosen Kündigung und zu der
Beschränkung im Lesezugriff der Dokumente nur noch für Ärzte.
In der anschließenden Diskussion zeigte sich das die psychologische
Dokumentation in den meisten Häusern, in unterschiedlichen Umfang, Teil
einer elektronischen Patientenakte ist. Das Spektrum, wer was in den
Systemen einsehen darf reichte von "jeder sieht alles" bis zu sehr
selektiven Berechtigungen. Der Grundtenor war, dass aufgrund der
besonderen Vertraulichkeit des psychologischen Arbeitssettings, allgemein
einsehbare Informationen in diese Systeme nicht eingegeben werden. Es
wurden aus mehreren Häusern Probleme berichtet die von einer zerstörten
Arbeitsbeziehung bis zu zivilrechtlichen Konsequenzen führten. Einigkeit
bestand darüber, dass mit psychologischen Informationen an Dritte äußerst
sensibel umgegangen werden muss. Am zweiten Tag des
Treffens hielt Jörg Eisenhuth den Impulsvortrag "Patienten mit chronischen
psychischen Diagnosen - Querschnittlähmung durch Suizidversuch".
Bei ca. 3-5 % aller Querschnittlähmungen ist die Ursache ein
Suizidversuch. Meist sind es Menschen, die an einer Psychose oder einer
Depression leiden. Die Prozentzahl ist ungenau anzugeben, da eine gewisse
Dunkelziffer existiert. Denn der Suizid ist oft als solcher nicht immer
erkennbar. Manche Suizidversuche sind als Unfälle getarnt. Hinweise kann
manchmal das Unfallgeschehen oder das Verletzungsmuster geben. Z.B.
Autounfall auf gerader Strecke bei guten Wetter, nicht angeschnallt.
Nächtliche Alleinfahrten unter starkem Alkoholeinfluss. „Stürze“ von
Balkonen oder aus Fenstern mit Fußknöchelverletzungen, die darauf
hindeuten, dass kontrolliert gesprungen wurde.
Risikofaktoren für Suizidalität sind:
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Geschlecht: männlich
-
Alter: jünger als 20,
älter als 45
-
Stimmung: depressiv
-
Vorausgegangene
Suizidversuche
-
Alkoholmissbrauch
-
Verlust rationalen
Denkens
-
Fehlende soziale
Unterstützung
-
Pläne für die Umsetzung
von Suizid
-
Keine feste Beziehung
-
Schlechte körperliche
Verfassung oder körperliche Krankheiten
Auch wenn der Druck zur Selbstzerstörung/-verletzung
direkt nach dem Suizid abgebaut ist, bleiben die Betroffenen langfristig
erhöht suizidgefährdet. Auf der anderen Seite ist das Risiko eines Suizids
während der Erstbehandlung in einem Querschnittgelähmten-Zentrum relativ
gering, da Betreuung und Beobachtung sehr engmaschig stattfindet. Dennoch
bietet die Behandlung dieser Betroffenen besondere Herausforderungen mit
denen alle BehandlerInnen konfrontiert sind:
-
Müdigkeit durch
psychopharmakologische Medikation
-
Schneller Wunsch nach
Absetzen der Psychopharmaka
-
Akute psychotische
Symptomatik
-
Selbstverletzungen
-
Unsicherheiten bei
BehandlerInnen
-
Unsicherheiten bei
Angehörigen
-
Depressive Episoden
-
Poststationäre
Weiterbetreuung
Psychologen und mitbehandelnde Psychiater sind hier
aufgefordert, eine optimale Erstversorgung der Querschnittlähmung zu
gewährleisten. Folgende Punkte erscheinen dafür wichtig:
-
Die Ursache Suizid
sollte bereits vor der Aufnahme bekannt sein und in der Aufnahmeliste
erfasst werden.
-
Einschätzung der
Suizidalität bei der Aufnahme durch Psychologen, Psychiater und
aufnehmenden Arzt.
-
Dokumentation der
Suizidalität in der elektronischen Patientendokumentation und
handschriftlich in der Patientenkurve (z.B. Optiplan
-
Medikation entsprechend
der psychiatrischen Erkrankung
-
Vorstellung alle 14 Tage
bei Psychiater
-
Regelmäßige
psychotherapeutische Behandlung (mindestens wöchentlich)
-
Kollegiales Coachen der
anderen BehandlerInnen durch PsychologIn
Bei erforderlichen stationären Weiterbehandlungen in
einer Psychiatrie/Psychosomatik bleibt ein Problem, dass es zu wenig
Kliniken gibt, die körperbehinderte/pflegeabhängige Menschen aufnehmen
können. Abschließend wurde beschlossen, dass beim
AK-Treffen in Beelitz im Oktober 2007 praktische Techniken zur
psychologischen Arbeit - Entspannung, Traumabewältigung , Schmerztherapie
u.a. vorgestellt werden sowie eine Themensammlung für den nächsten
Kongress in Rostock - "Kommunikation im Krankenhaus" besprochen werden
soll. C. Zebrowski, J.Eisenhuth
Bericht des Arbeitkreises Psychologie vom
19.10.2007 Der Arbeitskreis Psychologie traf sich
am 19. Oktober zum Thema „Praktische Psychotherapeutische Techniken“ in
der Neurologischen Rehabilitationsklinik Beelitz-Heilstätten. Der
Schwerpunkt dieses Treffens war für die 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
das Kennenlernen und Üben von Einzeltechniken, die für querschnittgelähmte
Betroffene oder für das Personal von Nutzen sein können.
-
Martina Neikes (BUK
Hamburg) stellte eine Technik vor, die Elemente von Traumatherapie,
Schmerztherapie und Hypnotherapie enthält. Ziel der Technik ist es, das
Erleben belastender Erinnerungen durch angenehme, ressourcenvolle
Erinnerungen zu verändern. Bei dieser Technik wird ähnlich einer
Fernbedienung am Fernsehen zwischen den belastenden und den angenehmen
Bildern und Erinnerungen hin und her geschaltet. Martina Neikes
demonstrierte die Technik an einer Teilnehmerin: Die anfangs als
unangenehm wahrgenommene Erinnerung veränderte sich im Laufe der Übung
und wurde am Ende als deutlich weniger unangenehm empfunden.
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Die Technik Meta Mirror
wird durch Florian Grüter (Beelitz-Heilstätten) vorgestellt. Ziel der
Übung ist es, Konflikte in einem anderen Licht zu beleuchten und dadurch
Lösungsideen zu entwickeln. Die Übung ist eine Weiterentwicklung der
Arbeit mit Stühlen aus der Gestalttherapie: Robert Dilts hat sogenannte
Meta-Positionen hinzugefügt, von denen aus der Konflikt mit einer
Distanz, also dissoziiert, beobachtet werden kann, so dass andere/ neue
Lösungsideen entstehen können. Florian Grüter demonstrierte die Technik
an einem Teilnehmer: Während der Übung entwickelte dieser neue
Sichtweisen und Lösungsvorschläge.
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Barbara Schulz stellt
die „5-4-3-2-1-Übung“ vor. Ziel dieser Übung ist es, sich von
unangenehmen und wiederkehrenden Gedanken zu lösen, z.B. unmittelbar vor
einer Operation. Die Patientinnen und Patienten können die Übung leicht
selbst durchführen: man benennt fünf Dinge, die man sieht, dann fünf
Dinge, die man hört und schließlich fünf Dinge, die man fühlt.
Anschließend werden vier, drei, zwei und schließlich eine Dinge benannt,
jeweils in den einzelnen Sinnesqualitäten.
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Es werden drei Bücher
vorgestellt, die praktische psychotherapeutische Techniken enthalten:
· Psychotherapeutische Schätze. 101 bewährte Übungen und Methoden für
die Praxis. Hrsg.: Steffen Fliegel & Annette Kämmerer. dgvt-Verlag, 2.
Auflage 2007
· Hypnose in der Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für
die Praxis. Hrsg.:
Dirk Revenstorf & Burkhard Peter. Springer-Verlag, 2001
· Danie Beaulieu: Impact-Techniken für die Psychotherapie.
Carl-Auer-Systeme, 2. Auflage 2007
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Jörg Eisenhuth stellt
Impact-Techniken vor, die sich durch eine alle Sinne ansprechende
Kommunikation auszeichnen: Nicht allein die Ohren, sondern ebenso die
Augen und die sensorischen Modalitäten werden angesprochen. Dadurch
können Informationen leichter und nachhaltiger aufgenommen werden. Das
Gedächtnis versteht mehr als nur Worte. Dies ist gerade für Menschen
wichtig, die sich nur begrenzt verbal ausdrücken können. Beispielhaft
stellt uns Jörg Eisenhuth zwei Metallkugeln und ein Krankenhaus mit
Operationssaal von Playmobil, der auch einen Rollstuhl enthält, vor. Die
gleich aussehenden und schweren Metallkugeln können bei der
Entscheidungsfindung nützlich sein: sie können in die Hand genommen
werden und bieten so auch sensorische Informationen. Der Betroffene kann
-eine Waage simulierend- schauen, welche Hand den Ausschlag gibt. Der
Playmobil-OP ist eine Möglichkeit für Patientinnen und Patienten
distanzierter über die Ereignisse, die zur Querschnittlähmung führten zu
sprechen und gleichzeitig andere Sinnesmodalitäten zu nutzen.
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Florian Grüter erklärt
eine Technik, die zur kollegialen Supervision als auch für
Gruppensettings nützlich sein kann: das Iterative Reflecting Team. Eine
Person nennt ein Anliegen, eine ModeratorIn trägt dieses in ein
Experten-Team (d.h. also Kolleginnen und Kollegen oder PatientInnen) mit
maximal 5 Personen, das sich im selben Raum befindet. Die
Team-Mitglieder sollen spontan alle Ideen benennen, die ihnen zu dem
Anliegen eingefallen sind. Die Moderatorin dreht sich wieder zur
„Klientin“, um festzustellen, ob das bisher Gesagte und Gehörte nützlich
war und ausreicht. Wenn dem nicht so ist, kann ein weiterer Aspekt des
Anliegens benannt werden und durch den Moderator erneut ins Team
getragen werden. Dies geschieht so lange, bis das Anliegen geklärt ist.
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Das Thema des nächsten
Arbeitskreises, der am 21. und 22. Mai 2008 in Rostock stattfinden wird,
soll die Kommunikation mit Beatmeten sein.
F. Grüter,
J. Eisenhuth
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