Ludwig Guttmann - Preis

 

Ludwig- Guttmann- Preisträger 2004: Yvonne und Peter Lude Sigrist

 

Der Ludwig- Guttmann- Preis 2004 wurde an
Yvonne und Peter Lude-Sigrist
vergeben.

 

Bewältigung von Querschnittlähmung bei Direktbetroffenen und Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen


 

Lebenslauf von Yvonne Lude-Sigrist

Persönliche Angaben

Geburtsdatum & Ort:    15.01.1963, Zürich (Schweiz)
Zivilstand: verheiratet
Schulen, Ausbildung
1997-2002 Dissertation: "Querschnittlähmung: Der Verarbeitungsprozesses bei Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen." Ergebnisse einer Längsschnitt- und einer Querschnitt-Studie. Universität Bern.
Postgraduale Ausbildung Psychotherapie, Universität Bern
1989-1994 Psychologiestudium mit Abschluss Lic. phil., Universität Bern
1983-1986 Ausbildung zur Physiotherapeutin & Diplom, Kantonsspital Basel
1983-1985 Kirchenmusikseminar Wettingen, Diplom
1979-1983 Kantonsschule Baden, eidg. Matura B
1970-1979 Primar- & Bezirksschule Endingen / AG

Beruflicher Werdegang

2002aaaaaaaaaaaa Titel "Fachpsychologin für Psychotherapie FSP".
1999-heute Psychotherapeutin in Praxis von P. Lude, Zurzach
1994-heute Physiotherapeutin in eigener Praxis, Zurzach
1994-1999 Psychotherapie unter Supervision
(delegierte Psychotherapie)
1987-1992 Physiotherapeutin, Klinik für Psychosomatik, Langenthal
1987 Physiotherapeutin, Rheuma+Rehabilitationsklinik (heute RehaClinic), Zurzach

Lebenslauf von Peter Lude-Sigrist

Persönliche Angaben

Geburtsdatum & Ort:       8.09.1964, CH-Aarau
Zivilstand: verheiratet
Schulen, Ausbildung
1997-2002 Dissertation: "Querschnittlähmung: Innensicht versus Aussensicht des Verarbeitungsprozesses bei Direktbetroffenen." Ergebnisse einer Längsschnitt- und einer Querschnitt-Studie. Universität Bern.
Jan. 1999 - Feb. 2001 Doktorand im Nationalfondsprojekt
(Nr. 1114-053991.98, 50%-Stelle, gemeinsam mit Y. Lude-Sigrist).
1994-1998 Postgraduale Ausbildung Psychotherapie, Universität Bern.
1987-1994 Psychologiestudium mit Abschluss Lic. phil., Universität Bern
1985-1987 Vorbereitung und Abschluss eidg. Matura D.
1984-1985 Badeunfall, komplette Tetraplegie, einjähriger Rehabilitationsaufenthalt im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Basel.
1980-1984 Kantonsschule Wettingen, kant. Matura PSG.
1971-1980 Primar- & Bezirksschule Zurzach.

Beruflicher Werdegang

1998-heute
aaaaaaaaaaaaaa        
selbständig geführte Praxis für psychologische Psychotherapie in Zurzach, regelmässige Fortbildung, Selbsterfahrung und Supervision für Postgraduierte Psychotherapie Auszubildende.
1998 Titel "Fachpsychologe für Psychotherapie FSP"
1994-1998 Psychotherapie unter Supervision (delegierte Psychotherapie).

Gemeinsame Anschrift:

Peter Lude-Sigrist, Dr. phil.
Fachpsychologe für Psychotherapie FSP

Yvonne Lude-Sigrist, Dr. phil.
Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, Dipl. Physiotherapeutin

Telefax 056 / 249 21 44
Telefon 056 / 249 10 10

E-mail: plude@swissonline.ch

Zürcherstrasse 3,
CH-5330 Zurzach


Kurzfassung der Preisarbeiten

(Ludwig Guttmann-Preis 2004)

Die beiden Studien zur Bewältigung von Querschnittlähmung bei Direktbetroffenen und Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen wurden hauptsächlich am Institut für Psychologie der Universität Bern durchgeführt, die Längsschnitt-Studie vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung während zweier Jahre (Projekt-Nr. 1114-053991.98) unterstützt.

Wir bedanken uns herzlich bei den Direktbetroffenen (Menschen mit Querschnittlähmung) und ihren Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen für die Teilnahme an den Studien, der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, sowie bei den Psychologinnen und Psychologen und ärztlichen Leitungen folgender Kliniken: Werner-Wicker-Klinik, D-Bad Wildungen; Schweiz. Paraplegikerzentrum Rehab Basel; BG-Unfallklinik, D-Hamburg (Bergedorf); Orthop. Abtlg. für Querschnittgelähmte, Orthopädische Universitätsklinik, D-Heidelberg; Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil; ParaCare Balgrist, Behandlungs- und Forschungszentrum für Paraplegie der Universitätsklinik Balgrist, Zürich.

An der Tragik einer Querschnittlähmung soll nichts geschmälert werden. Die beiden Arbeiten hatten das Ziel, auf bisher wenig beachtete Aspekte der psychischen Verarbeitung bei Direktbetroffenen und bei Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen hinzuweisen.

Der frisch querschnittverletzte Mensch wird von der Unfallstelle bis ans Ende der Rehabilitation in einer Spezialklinik medizinisch und therapeutisch intensiv versorgt. Schwere körperliche Traumata haben Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten der Direktbetroffenen. Von aussen betrachtet, wirkt jemand Direktbetroffener im wahrsten Sinne des Wortes „gebrochen“. Die Angst, dass die verletzte Person auch an ihrem Schicksal zerbricht, ist nicht unberechtigt. Die Herausforderungen sind enorm, das Gelingen der Bewältigung offen. Dennoch erreichen viele – nicht alle – Menschen mit Querschnittlähmung im Laufe ihres weiteren Lebens eine gute bis sehr gute Lebensqualität.

Die Auswirkungen der Verletzung sind körperlich gesehen verheerend. Man ist geneigt, eine eben solche Wirkung auf psychische Prozesse anzunehmen. Wir gingen davon aus, dass unmittelbar mit der körperlichen Verletzung eine starke Mobilisierung psychischer Ressourcen einsetzt. Als Metapher gelte die Funktionsweise eines Airbags. Diese starke Mobilisierung psychischer Ressourcen schafft sozusagen eine Gegenrealität im positiven Sinne. Diese Gegenbewegung ermöglicht erst, die Bewältigung über Jahre hinweg zu leisten. Sie ist der Startschuss zur konstruktiven Auseinandersetzung mit der drastisch veränderten Lebenssituation. Vieles mag dabei von aussen betrachtet als behandlungswürdig erscheinen. Die Innensicht (Patientensicht) – so die These – versteht dieselben Vorgänge als Elemente einer werdenden erfolgreichen Bewältigung. Wir sehen unser vorgeschlagenes Modell für die Direktbetroffenen durch die Daten bestätigt.

Doch wie ergeht es den Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen? Sie erfahren in der Regel keine körperliche Verletzung. Dennoch hat die Querschnittlähmung der nahen Bezugsperson, wie man sich leicht vorstellen kann, eine unmittelbare Wirkung auf den persönlichen Lebensvollzug, gerade wenn es sich um die Partnerin, den Partner, ein Kind oder einen Elternteil handelt, der körperlich behindert wird. Diese Untersuchung zeigt, dass die Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen im Schnitt die traumabezogenen Reaktionen zeigen, welche man von den Direktbetroffenen erwarten würde: Hohe Stressreaktionen, keine Ressourcenmobilisierung. Die Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen haben einen ähnlich fordernden Anpassungsprozess zu leisten wie die Direktbetroffenen. Der Prozess der Verarbeitung einer Querschnittlähmung kann nur unter Einbezug des nahen sozialen Umfeldes umfassend verstanden werden.

Die Wirkung des Ereignisses Querschnittlähmung auf die Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen können wir auf Grund unserer Ergebnisse (Mittelwerte!) wie folgt zusammenfassen:

- Die Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen sind signifikant höher belastet als die Direktbetroffenen. Sie zeigen das Belastungs-Bild, das man von den Direktbetroffenen erwartet.

- Die Angehörigen bzw. nahen Bezugspersonen mobilisieren im Vergleich zu den Direktbetroffenen keine psychischen (überdurchschnittlichen) Ressourcen. Das Nicht-Erleiden der schwerwiegenden körperlichen Verletzung erweist sich insofern als regelrechtes Handicap.

- Der Anpassungsprozess während des ersten Jahres nach dem Ereignis (3 Messzeitpunkte) zeigt eine deutlich andere Charakteristik als bei den Direktbetroffenen.

Die Angehörigen bzw. nahen Bezugs­personen machen längerfristig (d.h. durchschnittlich 15 Jahre nach dem Ereignis gemessen) eine parallele Entwicklung mit den Direktbetroffenen, sofern sie der Situation nicht ausweichen. Das persönliche Wachstum ist grösser als bei der Allgemeinbevölkerung, die Belastungsindizes niedriger, der Umgang mit belastenden Gefühlen besser. Das Entscheidende dürfte die erreichte Gleichwertigkeit in der Beziehung sein.