Ludwig Guttmann - Preis

 

Ludwig- Guttmann- Preisträger 2005: Markus Wirz

 

Der Ludwig- Guttmann- Preis 2005 wurde an Herrrn Markus Wirz vergeben.

 

Effektivität eines automatisierten Lokomotionstrainings bei Patienten mit chronischer inkompletter Querschnittlähmung: eine multizentrische Studie


 

Lebenslauf von Markus Wirz

persönliche Angaben: geboren am 22. Februar 1967 in Basel / Schweiz. Markus Wirz ist verheiratet und Vater von zwei Mädchen (geboren 1994 und 1999) und einem Knaben (geboren 1996). Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Zürich.

 

Ausbildung / Berufliche Tätigkeit

 

1974-1986

Rudolf Steiner-Schule in Pratteln/BL

1986

Praktikum als Pflegehilfe und Militärdienst

1987-1991

Schule für Physiotherapie am Universitätsspital Zürich (USZ).
Abschluss als dipl. Physiotherapeut

1991-heute

Paraplegikerzentrum der Universitätsklinik Balgrist:

·     als leitender Physiotherapeut des Paraplegikerzentrums seit 1.2.2002

·     als Mitarbeiter der Forschungsabteilung des Paraplegikerzentrums (Prof. V. Dietz). Projekte im Zusammenhang mit dem rehabilitativen Assessment und physiotherapeutischen Interventionen wie z.B. dem Lokomotionstraining

1999-heute

Lehrauftrag an der Schule für Physiotherapie des Universitätsspitals Insel, Bern

 

Präsentationen

 

1994

Lokomotionstraining bei paraplegischen Patienten
am Symposium: Stand- und Gangschulung beim Querschnittgelähmten in Hamburg

2000

Long Term Training Effect on Locomotor Activity of Isolated Human Spinal Cord
am Symposium: Laufband therapy in Karlsbad-Langensteinbach

2003

Automated locomotor training in patients with incomplete Spinal Cord Injury
am 14th International Congress of WCPT (World Confederation for Physical Therapy) in Barcelona

2003

Die Erfassung der Steh- und Gehfähigkeit bei Patienten mit Querschnittlähmung
am Jahreskongress der DMGP (deutschsprachige medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie) in Berlin

2004 Effectiveness of an Automated Locomotor Training in Patients with a Chronic Incomplete Spinal Cord Injury: A Multicenter Trial
am Kongress des Instituts für Bewegungswissenschaften der freien Universität Amsterdam zum Thema Restoration of (wheeled) mobility in SCI rehabilitation
2004 Effektivität eines automatisierten Lokomotionstrainings bei Patienten mit inkompletter Querschnittlähmung
am Jahreskongress des schweizerischen Physiotherapieverbandes
2004 Validität und Reliabilität von Tests zur Erfassung der Gehfähigkeit bei Patienten mit Querschnittlähmung
am Jahreskongress des schweizerischen Physiotherapieverbandes
2004 Die Erfassung der Steh- und Gehfähigkeit bei Patienten mit Querschnittlähmung in der Anwendung
am Jahreskongress der DMGP (deutschsprachige medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie) in Zürich
2005 Verleihung des Ludwig-Guttmann-Preis der DMGP für:
Effektivität eines automatisierten Lokomotionstrainings bei Patienten mit inkompletter, chronischer Querschnittlähmung
am Jahreskongress der DMGP (deutschsprachige medizinische Gesellschaft für Paraplegie) in Alpbach/A.
2005 locomotor Training with a driven gait orthosis in Incomplete Spinal Cord Injury
am Kongress der International society for posture and gait research (ISPGR) in Marseille

 

Posterpräsentationen

 

1998

Effect of locomotor training related to clinical and electrophysiological examinations in spinal cord injured humans
am Kongress der Euroacademia Multidisciplinaria Neurotraumatologica: Update in Spinal Cord Trauma in Zürich

1998

Locomotor training in paraplegic patients
Am Kongress der New York Academy of Science: Neuronal Mechanisms for Generating Locomotor Activity in New York

2002

i Long Term Training Effect on Locomotor Activity of Isolated Human Spinal Cord
i Treadmill training with driven gait orthosis improves locomotor function in SCI patients
Am 3rd World Congress in Neurological Rahabilitation in Venedig

2005

Assessment of biomechanical parameters with the gait training robot Lokomat
am Kongress der International society for posture and gait research (ISPGR) in Marseille

 

Publikationen

 

Dietz V, Wirz M, Jensen L.
Locomotion in patients with spinal cord injuries.
Phys Ther. 1997 May;77(5):508-16. Review

Colombo G, Wirz M, Dietz V.
Effect of locomotor training related to clinical and electrophysiological
examinations in spinal cord injured humans.
Ann N Y Acad Sci. 1998 Nov 16;860:536-8

Dietz V, Wirz M, Colombo G, Curt A.
Locomotor capacity and recovery of spinal cord function in paraplegic patients:
a clinical and electrophysiological evaluation.
Electroencephalogr Clin Neurophysiol. 1998 Apr;109(2):140-53

Dietz V, Wirz M, Curt A, Colombo G.
Locomotor pattern in paraplegic patients: training effects and recovery of
spinal cord function.
Spinal Cord. 1998 Jun;36(6):380-90

Dietz V, Nakazawa K, Wirz M, Erni T.
Level of spinal cord lesion determines locomotor activity in spinal man.
Exp Brain Res. 1999 Oct;128(3):405-9

Colombo G, Wirz M, Dietz V.
Driven gait orthosis for improvement of locomotor training in paraplegic patients.
Spinal Cord. 2001 May;39(5):252-5

Wirz M, Colombo G, Dietz V.
Long Term Effects of Locomotor Training in Spinal Humans
J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2001 Jul;71(1):93-6

Jarchow T, Wirz M, Haslwanter T, Dietz V, and Straumann D.
Perceived Horizontal Body Position in Healthy and Paraplegic Subjects: Effect of Centrifugation
J Neurophysiol 2003 Nov;90(5):2973-7

HJ.A. van Hedel, PT, MS, M. Wirz, PT, V. Dietz, MD, FRCP
Assessing walking ability in subjects with a spinal cord injury:
Validity and reliability of walking tests
Arch Phys Med Rehabil 2005;86:190-6

Wirz M, Zemon DH, Rupp R, Scheel A, Colombo G, Dietz V, Hornby TG
Effectiveness of an Automated Locomotor Training in Patients with a Chronic Incomplete Spinal Cord Injury: A Multicenter Trial
Arch Phys Med Rehabil 2005;86: 672-80

Schädler, Lüthi, Marks, Wirz, Pfeffer, Kool:
Assessments in der Neurorehabilitation
Handbuch, herausgegeben durch die Interessengemeinschaft Physiotherapie Neurorehabilitation


Effektivität eines automatisierten Lokomotionstrainings bei Patienten mit chronischer inkompletter Querschnittlähmung: eine multizentrische Studie

Wirz Ma, Zemon DHb, Rupp Rc, Scheel Ad, Colombo Ga, Dietz Va, Hornby TGb,e,f

a Paraplegikerzentrum der Universitätsklinik Balgrist, Zürich

b Sensory Motor Performance Program, Rehabilitation Institute of Chicago, Chicago, IL

c Stiftung Orthopaedische Universitätsklinik Heidelberg

d Schweizerisches Paraplegikerzentrum Basel

e Department of Physical Medicine and Rehabilitation, Northwestern University, Chicago, IL

f  Department of Physical Therapy, University of Illinois, Chicago, IL

Referenz Wirz M, Zemon DH, Rupp R, Scheel A, Colombo G, Dietz V, Hornby TG. Effectiveness of Automated Locomotor Training in Patients with Chronic Incomplete Spinal Cord Injury: A Multicenter Trial. Arch Phys Med Rehabil. 2005;86: 672-80

Einführung Gestützt auf tierexperimentelle Studien der Bewegungssteuerung hat sich in der Rehabilitation von Patienten mit Gangstörungen das Lokomotionstraining auf dem Laufband seit 15 Jahren etabliert. Diese Therapieform wurde vor 3 Jahren um einen Roboter erweitert. Dieser ersetzt bei Patienten mit schweren Paresen nach zentral motorischer Läsion die manuelle Unterstützung der Beinbewegungen beim Gehen. Bei einer inkompletten Querschnittlähmung erfolgt innerhalb der ersten 24 Monate häufig eine spontane Erholung der funktionellen Beeinträchtigungen, was die Evaluation von spezifisch physiotherapeutischen Interventionen, wie dem Lokomotionstraining in dieser Phase erschwert. Deshalb wurde diese Studie bei Patienten durchgeführt, deren Querschnittlähmung seit mindestens 24 Monaten bestand.

Fragestellung: kann ein automatisiertes Lokomotionstraining durch eine motorisierte Gehorthese die Gehfähigkeit von Patienten mit einer inkompletten Querschnittlähmung im chronischen Stadium verbessern?

Forschungsdesign Messwiederholung oder Summe von Einzelfallexperimenten nach dem A-B-Schema.

Kliniken Rehabilitationskliniken in Chicago, USA; Heidelberg, Deutschland; Basel und Zürich, Schweiz.

Patienten 20 Patienten (18 Männer und 2 Frauen, Alter: 40±14J), mit einer chronischen (5.9±4.9J nach Ereignis), motorisch inkompletten Querschnittlähmung (11 Tetraparesen, 9 Paraparesen) traumatischer oder ischämischer Ursache wurden in diese Studie aufgenommen. Der Schweregrad der neurologischen Ausfälle entsprach der Klassifizierung der American Spinal Injury Association: C (n=9) und D (n=11). Die Mehrzahl der Patienten war zu Beginn des Trainings beschränkt gehfähig (n=16).

Intervention Alle Patienten führten ein Lokomotionstraining auf einem Laufband mit teilweiser Entlastung vom Körpergewicht und der Assistenz durch die motorisierte Geh-Orthese Lokomat® durch. Die Trainingsserie bestand aus 3-5 Trainings pro Woche und dauerte 8 Wochen. Die Gehzeit eines einzelnen Trainings betrug bis zu 45 Minuten bei einer Geschwindigkeit von 1.5-2.4km/h. Die Teilentlastung des Körpergewichts wurde so gering wie möglich gehalten.

Ergebnismessung Vor, während und nach dem Training wurde die Mobilität der Patienten mit folgenden Tests beurteilt: Walking Index for Spinal Cord Injury II (WISCI II) zur Erfassung des Gehstatus hinsichtlich erforderter Hilfsmittel, -personen oder Schienen; 10-m Gehtest für die Messung der Gehgeschwindigkeit; der 6-min Gehtest wurde verwendet, um die Ausdauer zu messen und der Timed “Up and Go” -Test (TUG) für die Kombination verschiedener Mobilitäts-Aufgaben. Bei einer Untergruppe von 10 Patienten wurde zusätzlich die Willkürmotorik der unteren Extremitäten (LEMS) entsprechende dem ASIA Protokoll und die Spastizität mit einer Kombination verschiedener Tests (Spinal Cord Assessment Tools for Spasticity-SCATS) gemessen.

Resultate

Während des achtwöchigen Trainings haben die Patienten durchschnittlich 26 ± 4.3 Trainingseinheiten durchgeführt. Die in einem Training zurückgelegte Distanz betrug im Mittel 1279 ± 282m bei einer durchschnittlichen Teilentlastung des Körpergewichts von 37 ± 17%. Das Lokomotionstraining führte zu einer Zunahme der Gehgeschwindigkeit (0.11 ± 0.1 m/s), einer Verlängerung der in 6 Minuten zurückgelegten Strecke (32.3 ± 37.5m) und einem geringeren Zeitbedarf für die Bewältigung der TUG-Aufgabe (Abnahme um 25 ± 30 s) bei den Patienten, die bereits vor dem Training gehfähig waren. Patienten mit stärker beeinträchtigter Gehfähigkeit zeigten den größten Therapieerfolg. Patienten, die nicht gehfähig waren, erreichten trotz guter Willkürmotorik keine Gehfunktion durch das Lokomattraining allein. Keine Veränderungen zeigten sich im Bedarf an Hilfsmitteln, -personen oder Schienen. Veränderungen der Willkürkraft (Zunahme von 2.5/50 Punkten) und der Spastizität korrelierten nicht mit den Veränderungen der Gehfähigkeit.

Schlussfolgerung Ein intensives Lokomotionstraining mit Hilfe einer motorisierten Geh-Orthese resultierte in einer Zunahme der Gehfähigkeit. Diese Verbesserung erfolgte ohne eine entsprechende Verbesserung der neurologischen Ausfälle (ASIA Score). Fazit ist, dass funktionelle Veränderungen mit klinisch-neurologischen Tests nur unzureichend erfasst werden können. Folglich gehören zur Erfassung einer zentral motorischen Schädigung neben der klinisch-neurologischen Untersuchung noch funktionelle Tests.