Ludwig Guttmann - Preis

 

Ludwig- Guttmann- Preisträger 2006: Dr. med. Dr. rer. nat. Jan Schwab

 

Der Ludwig- Guttmann- Preis 2006 wurde
nach Beschluss des Preiskommités der DMGP
an Priv.-Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Jan Schwab vergeben.

 

Immunsuppression nach Rückenmarkverletzung *)

*) Riegger T., Conrad S., Schluesener H.J., Adibzadeh M., Schwab J.M. (2006)
Spinal cord injury induced immunodepression syndrome (SCI-IDS).  Eur. J. Neurosci., in press


 

L a u d a t i o

Ludwig-Guttmann-Preis 2006-10-23

an Priv. Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Jan Markus Schwab

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

der Ludwig-Guttmann-Preis unserer Gesellschaft wird in diesem Jahr an Privat- Dozent Dr. med. Dr. rer. nat. Jan Markus Schwab verliehen.

 

Dr. Schwab erhält diese Auszeichnung für die Arbeit:

„Spinal Cord Injury induced immunodepression syndrome (SCI-IDS)“

(Immunsupression nach Rückenmarkverletzungen)

 

Diese Arbeit ist Teil seiner wissenschaftlichen Studien der letzten Jahre zu neurowissenschaftlichen Fragestellungen und befasst sich mit der durch eine Rückenmarkverletzung verursachten funktionellen Suppression des Immunsystems – besonders in der akuten Phase einer Querschnittlähmung. Mit dieser hervorragenden wissenschaftlichen Arbeit (Originalität, Qualität, Neuigkeit) leistet Dr. Schwab einen Beitrag zur verbesserten, umfassenden Behandlung Rückenmarkverletzter. Seine Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Ursachen für erhöhte Infektionsraten in der Frühphase nach dem Trauma, vor allem in einer durch die Rückenmarkverletzung induzierten Immunsuppression liegen.

 

Dr. Schwab, geb. 1969, studierte Humanmedizin von 1992 bis 1998 an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und am Medical College der Cornell University, New York.

 

Von 1999 bis 2000 war er Arzt im Praktikum im Fach Neuropathologie und von 2000 bis 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Hirnforschung der Universität Tübingen.

 

2000 Promotion zum Dr. med. mit einer wissenschaftlichen Arbeit über Hüftalloarthroplastik beim jungen Patienten.

 

Von 2000 bis 2003 folgte ein Promotionsbegleitendes (PhD) Studium mit dem Ziel einer Naturwissenschaftlichen Promotion an der International Max-Planck Research School der Universität Tübingen, das er 2003 mit dem Dr. rer. nat. abschloss.

 

2004 Habilitation für das Fach Experimentelle Neuropathologie an der Universität Tübingen mit einer Arbeit über „Verletzungen des zentralen Nervensystems: Faktoren und Modelle mikroglialer Aktivierung“.

 

Herr Dr. Schwab erhielt zahlreiche Stipendien für neurowissenschaftliche Studien von in- und ausländischen, Wissenschaftlichen Gesellschaften u.a. 2004 ein Stipendium des Centre National de la Recherche Scientifique an der Universität Paris.

 

Seit Februar 2005 ist er als Researche-Fellow der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit einem Auslands-Forschungsstipendium am Brigham and Women’s Hospital, Harvard Medical School, Boston, USA tätig.

 

Im Jahr 2005 wurde er mit dem Hannelore Kohl-Förderpreis und dem Förderpreis für Schmerzforschung der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes ausgezeichnet.

 

Dr. Schwab ist seit 2000 Mitglied der Deutschen Neurowissenschaftlichen Gesellschaft.

 

Er ist Gutachter international führender Fachzeitschriften wie Lancet, Neuroscience u.a..

 

Er hat 2004 die „Wings for Life Spinal Cord Research Stiftung, Salzburg“ mit gegründet und aufgebaut und gehört dem wissenschaftlichen Vorstand an. Mit der Verleihung des Ludwig-Guttmann-Preises zeichnet die DMPG einen schon in jungen Jahren auf dem Gebiet der Neurowissenschaften ausgewiesenen und national wie international anerkannten Deutschen Forscher aus, dem es nach eigenem Bekunden vorrangig um eine verbesserte, umfassende Rehabilitation Querschnittgelähmter geht.

 

Herzlichen Glückwunsch auch von meiner Seite.

Prof. Dr. med. H.J. Gerner
 


 

Lebenslauf von PD Dr. Dr. Jan Schwab

1969 in Stuttgart geboren, wohnhaft ab 2007 in Berlin

Bildungsweg

1979-1982

Albert Schweitzer Gymnasium, Leonberg

1982-1989

Beendigung der Gymnasialzeit mit Abitur, Gymnasium Renningen

06/89-10/90

Zivildienst (Rettungsdienst)

04/91-08/97

Humanmedizin, Universität Tübingen

Beruflicher Werdegang

01/99-06/00

Arzt im Praktikum (AiP): Institut für Hirnforschung, Universitätsklinik Tübingen. Vollapprobation

07/00-01/04

Wissenschaftlicher Mitarbeiter/Assistenzarzt, Institut für Hirnforschung, Universitätsklinik Tübingen

02/04-10/04

Research-Fellow (Poste Rouge) am CNRS UMR 7102, Laboratoire Développement et Vieillissement du Systeme Nerveux, Université Pierre et Marie Curie, 75005 Paris, Frankreich.

01/05-04/06

DFG-Research-Fellow, Brigham and Women`s Hospital, Harvard Medical School, Center for Experimental Therapeutics and Reperfusion Injury. Department of Anesthesiology, Perioperative and Pain Medicine, Boston, USA.

seit 04/06

Affiliated Investigator, Brigham and Women`s Hospital, Center of Experimental Therapeutics and Reperfusion Injury, Perioperative and Pain Medicine, Harvard Medical School, Boston, USA

Promotionen

2000

Doktor der Medizin. „Totale Hüftalloarthroplastik beim jungen Patienten: Prognose, radiologische und klinische Ergebnisse“, Orthopädische Universitätsklinik Tübingen

2003

Doktor der Naturwissenschaften. „COX-1 als Entzündungsmediator nach Verletzungen des zentralen Nervensystems“. Graduate School of Neural and Behavioural Sciences, International Max-Planck Research School, University of Tuebingen”, Note: “Magna Cum Laude”

Habilitation

05/2004

Habilitation für das Fach Experimentelle Neuropathologie an der Medizinischen Fakultät („Verletzungen des zentralen Nervensystems: Faktoren und Modelle mikroglialer Aktivierung“) der Universitätsklinik Tübingen

Gutachtertätigkeit

seit 2001

Ad-hoc Gutachter für The Lancet, Circulation Research, J Biol Chemistry, FASEB J, J. Molecular  Medicine, Current Medicinal Chemistry, J. Leukocyte Biol., J. Neurochemistry, Neurology, Stroke, Stem Cells, Eur. J. Neuroscience, Neuroscience, J. Comparative Neurology, Acta Neuropathologica, Spinal Cord, u.a.

Erstellung von Fachgutachten für Drittmittelanträge z.B. für Israel Science Foundation (ISF), FWF (Der Wissenschaftsfonds, Wien, Österreich), und dem National Medical Research Council (NMRC), Singapur.  

Wissenschaftlicher Beirat

seit 2003

Wings for Life Spinal Cord Research Foundation, Salzburg

Wichtigste Publikationen (5 selected)

1

Meisel C, Schwab JM, Prass K, Meisel A, Dirnagl U. Central nervous system injury-induced immune deficiency syndrome. Nat Rev Neurosci. 2005;6:775-86

2

Schwab JM, Conrad S, Monnier PP, Julien S, Mueller BK, Schluesener HJ. Spinal cord injury-induced lesional expression of the repulsive guidance molecule (RGM). Eur J Neurosci. 2005;21:1569-76

3

Schwab JM, Failli V, Chedotal A. Injury-related dynamic myelin/oligodendrocyte axon-outgrowth inhibition in the central nervous system. Lancet. 2005;365:2055-7

4

Schwab JM, Conrad S, Elbert T, Trautmann K, Meyermann R, Schluesener HJ.Lesional RhoA+ cell numbers are suppressed by anti-inflammatory, cyclooxygenase-inhibiting treatment following subacute spinal cord injury. Glia. 2004;47:377-86

5

Schwab JM, Schluesener HJ, Laufer S. COX-3: just another COX or the solitary elusive target of paracetamol? Lancet. 2003;361:981-2

Zusammenfassung: Immunsuppression nach Rückenmarkverletzung

Tino Riegger1, Sabine Conrad1,2, Hermann J. Schluesener, MDPhD1
Mahdi Adibzahdeh, PhD3, Jan M Schwab, MDPhD1,4

1Institute of Brain Research, University of Tuebingen, Medical School, Calwer Str. 3, 72072 Tuebingen, 2Department of Anatomy, Department of Experimental Embryology, Tissue Inginieering Division, Österbergstr. 3, 72074 Tuebingen, 3Migragen i.I., 72076 Tuebingen, Germany, 4CNRS UMR 7102 Université Pierre et Marie Curie (Paris 6), Equipe Développement Neuronal, 75005, Paris, France

Einführung:
Infektionen gehören zu den Haupttodesursachen rückenmarkverletzter Patienten und sind assoziiert mit generalisierten Wundheilungsstörungen sowie einer  verschlechterten neurologischen Restfunktion.

Material & Methoden
Mit FACS Analyse wurden die leukozytäre Fluktuationen nach experimenteller Rückenmarkverletzung untersucht und mit denen von kontroll(sham)-operierten Tieren verglichen um spezifisch den Einfluss der Rückenmarkverletzung selbst darzustellen und um unspezifische, dem chirurgischen Eingriff selbst zuzuordnende Effekte auszuschließen. Es wurden keine Corticosteroide verabreicht.

Ergebnisse
Experimentelle Rückenmarkverletzung induzierte ein Depletion von CD3 T-Lymphozyten (< 30 %, p=0.0066), CD45 RA+ B-Lymphocyten (< 45%, p<0.0001), MHC Klasse II immunopositiven (< 40%, p=0.0003) and OX-62+ dendritische Zellen (Antigen Präsentierende Zellen, < 55%, p=0.0052) während der ersten Woche nach Rückenmarkverletzung. Darüber hinaus reduzierte sich die Anzahl der ED9+ Monozyten (<65%). HIS 48+ Granulozyten verblieben hingegen auf Kontrollniveau.

Konklusion
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Rückenmarkverletzung eine früh beginnende (sekundäre) Immunsuppression induziert („Spinal Cord Injury Immune Suppression Syndrome“). Ein tieferes Verständnis über die zu Grunde liegenden Mechanismen dieses neuen Syndroms könnte wesentlich sein um die Mortalität und Hospitalisierungskosten zu senken, sowie um das intrinsische Regenerationspotential des verletzten Rückenmarks zu schützen.